Es gibt eine Vielzahl spannender und viel versprechender Impulse und Projekte, die den Gedanken der Nachhaltigkeit transportieren. Werkstatt N hat sie ausgezeichnet.
Halbzeitvegetarier will als partizipative Kampagne möglichst viele Menschen dazu motivieren, ihren Fleisch- und Fischkonsum dauerhaft zu reduzieren bzw. nachhaltiger zu gestalten. Dies geschieht jedoch nicht dogmatisch oder durch die Forderung nach einer radikalen Veränderung von Ernährungsgewohnheiten, sondern auf unkonventionelle Art und Weise: Unter dem Motto „Zwei halbe Vegetarier sind auch ein Ganzer!“ rufen wir dazu auf, sich in Paaren zusammenzuschließen und gemeinsam den Fleisch- bzw. Fischkonsum zu halbieren. Die Projektpartner legen nach einer Phase der Bewusstwerdung ein wöchentliches Höchstmaß fest, an das sie sich halten und über das sie sich verständigen wollen. Währenddessen berichten sie sich gegenseitig über Schwierigkeiten, Erfolge, das subjektive Genussempfinden, etc. Diesen Prozess unterstützen wir online durch relevante Informationen, Rezeptideen, die Vernetzung mit anderen Projektteilnehmer_innen und Ratschlägen, sofern dies gewünscht wird.
Februar 2011
Initiatorin und Leiterin von Halbzeitvegetarier ist Katharina Rimpler. Um sie herum existiert ein Netzwerk von Menschen, die punktuell (etwa bei der Videoproduktion, der Illustration, des Designs von Werbematerial oder der Programmierung der Website) mitarbeiten. Weiterhin sind im Laufe der Zeit eine Reihe von Kooperation entstanden, sodass das Projekt in gutem Kontakt zu (Umwelt-)Nichtregierungsorganisationen, Bildungseinrichtungen Bloggern, Journalisten und Aktivisten steht.
Wir widmen uns insbesondere dem Ideal eines nachhaltigen, auch zukünftig ökologisch tragfähigen Ernährungsstils. Einerseits ist die Sensibilisierung der Menschen hinsichtlich der Frage, wo unsere Nahrung herkommt und wie sie erzeugt wird, eine wichtige Voraussetzung. Für dessen Realiserung braucht es jedoch mehr als die bloße Bereitstellung von Informationen. Für nachhaltige Verhaltensänderungen auf individueller Ebene ist nicht äußerlich auferlegter Zwang, sondern innerer Wandel nötig.
Wir tragen einerseits zur Bewusstseinsbildung über die Auswirkungen von Fleisch-/ Fischkonsum und – produktion bei und fördern andererseits eine offene Auseinandersetzung mit diesen Themen. Wir unterstützen Menschen, miteinander in Dialog zu treten, sich zusammenzuschließen und an einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln zu gewöhnen. So werden sie ermutigt, trotz zeitweiliger Inkonsequenz ambitioniert zu bleiben. Das macht unser Projekt auch soziokulturell nachhaltig.
Wir richten uns hauptsächlich an eine Zielgruppe zwischen 15 und 25 Jahren und erreichen Menschen, die pragmatisch denken und willens sind, durch Verhaltensänderungen im Alltag einen Beitrag zu leisten. Einerseits sind das diejenigen, die bereits dabei sind, ein Problembewusstsein für globale Themen zu entwickeln. Andererseits verstehen wir unser Projekt durchaus als ein Bildungsangebot für Menschen, die bisher mit der Idee von Nachhaltigkeit wenig Berührung hatten.
Es gelingt uns, immer mehr Leute dazu zu motivieren, ihren Fleisch- und Fischkonsum zu reduzieren. Wir fördern den Kontakt der Projektteilnehmer in social networks und darüber hinaus. In unserem Blog veröffentlichen wir relevante Links, Rezeptideen, Erfahrungsberichte und Videos, in denen wir Paare begleiten, die Halbzeitvegetarier ausprobieren. Wir haben Beziehungen aufgebaut, Workshops konzipiert und durchgeführt, in denen wir eine Einführung zum Ideal einer nachhaltigen Ernährung geben.
Wir wollen Halbzeitvegetarier noch stärker an Bildungsangebote koppeln. Unser Workshop-Material zu nachhaltiger Ernährung soll langfristig zur Gestaltung von Lerneinheiten dienen, die auch im Ethikunterricht an Schulen durchgeführt werden können. Weiterhin wird der Kontakt zu Jugendbildungsstätten und Freizeitzentren ausgebaut, um dort den Gedanken zu verankern, die Versorgung der Gäste entsprechend zu gestalten und dabei für die Problematik zu sensibilisieren.
Wünschenswert sind sämtliche Maßnahmen, die dazu führen, eine fleischreduzierte Kost eher als Standard anzusehen, statt pflanzenbetonte Ernährung als Sonderfall darzustellen. Dies kann auf vielerlei Arten geschehen, etwa durch den Einsatz marktwirtschaftlicher Instrumente, die Förderung entsprechender Bildungsangebote oder nachhaltige Beschaffungskodizes an beispielhafter Stelle.
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